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Stützstrumpfrosé und Hornhautbeige

Posted Mittwoch, Oktober 13th, 2010
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Nude heißt ja eigentlich „nackert“ auf gut Münchenerisch. Wobei der Trend zum Nackerten durchaus zu begrüßen wäre. Zumindest als Kleidungstrend bei – von meiner Seite aus – jungen Männern. Hey, Mann, zieh dich aus, stell dich in die Ecke und beweg dich rhythmisch zur Musik! Genug der männerfeindlichen Emanzensprüche, zumal wir später noch darauf zurück kommen werden.
Der Trend zum Nackerten ist ansonsten eher rückläufig, zumindest was die gesellschaftspolitische Komponente innerhalb Münchens betrifft. Irgendwie ist im Zuge der Übersexualisierung, während der sich – zeitgleich mit einer Quote von 3 % weiblicher Führungskräfte – Frauen als „emanzipiert“ bezeichnen, die sich beim Playboy ausziehen, zu einer Reprüdisierung gekommen. Wo sind die Eisbach-Nudes? Die Oben-Ohne-Isarnixen? Die nappaledergegerbten Sport-Opas, die nacktärschig auf ihren Radeln die letzten Meter zum Fohnsee zurücklegen? Wieso sieht man wieder mehr Stoff auf badenden Leibern und woran mag das liegen?
Überschwappt uns etwa ein Sarrazinsches, äh Seehofersches muslimisiertes Horrorszenario? Oder beginnt hier nach dem Overkill an unappetitlichen Nachrichten aus der Zone unterhalb der Kutte eine neue katholische Rückbesinnung auf Werte innerhalb der Kleidungsstücke? Vermutlich dürfte dieser Trend sogar aus der Ecke der „emanzipierten“ Playboymodels kommen, deren Lieblingsplattitüde gerne – neben “das Aussehen ist doch gar nicht so wichtig” – lautet: „Alles zu sehen ist doch viel weniger erotisch, als noch ein paar Geheimnisse zu haben.“ Ach, ja, ich vergaß, Baden ist in unserer oversexten Gesellschaft ja zum erotischen Akt (de)generiert worden…..
Nude 2:
Die modebewusste München-Maid weiß natürlich, dass Nude die zum fünften mal aufgewärmte Unfarbe der Saison ist, die immer wieder dann zum Vorschein kommt, wenn Modeschöpfer nicht wissen, was sie eigentlich NOCH erfinden sollen. Sie erscheint in der Übergangszeit, wo noch keiner Zeit hatte, die Entwürfe der Konkurrenz zu klauen, und kommt oft in Begleitung von „Animal Prints“ (boah, ganz was Neues!). Wenn die Stoffe in Nude-Tönen wieder aus den Lagern gezerrt werden, dann muss man eigentlich nur noch darauf warten, ob die Adjektivdesigner der Fashionfabriken die Hauttöne dieses Jahr als „Puder“ oder „Nude“, „Natural“ oder „Rosenholz“ umtaufen. Wir hätten da ein paar ganz andere Vorschläge: Wie wär’s mit (bitte französisch aussprechen) „Stützstrümfrosé“, „Hornhautbeige“ oder „Pastellmatsch“?
Nude 3
Nur ein kurzes Wort zum Thema Nageldesign. Dass die „Farbe“ „Nude“ bei der Verfasserin hier nicht so wirklich gut ankommt, dürfte sich bis hierher aus dem Text herauskristallisiert haben. Dass sie aber neuerdings immer öfter auf Nägeln, also Fingernägeln, zur Schau getragen wird, löst in mir stets seltsame Assoziationen aus. An unseren Nachbarn, den alten Herrn O., den wir noch aufgebahrt gesehen habe. Seine Nägel hatten diese blutleere Farbe, dieses – na – Nude eben. Hey, Ihr Nagellackdesignerinnen, wie vorbildlich! Den eigenen Tod immer vor Augen sozusagen. Selbst renommierte Modeblogschreiberinnen (LesMads)und weniger prominente Mitarbeiterinnen diverser Postagenturen leisten sich diese buddhistische Vorausschau auf die Sterblichkeit aller Dinge, der Fingernägel und vor allem der eigenen Restperson. So weise. So bescheiden. So NUDE!